El Ghallaouiya

Mitten in der Sahara, in der mauretanischen Region Adrar, ist El Ghallaouiya (auch El Galawiya oder El Ghalawiya geschrieben) eine bedeutende historische und archäologische Stätte und eine unumgängliche Etappe für Geländewagen-Expeditionen und Kamelkarawanen, die die mauretanische Wüste durchqueren.

Beherrscht wird der Ort von einem alten Militärfort aus der französischen Kolonialzeit, errichtet zur Überwachung und Kontrolle der strategischen Wasserstellen — jener Brunnen, über die die Karawanen und die Herden der Nomadenstämme der Region zogen. Das Fort ist bis heute vergleichsweise gut erhalten. Wegen seiner abgelegenen Lage am Rand der entlegensten Gebiete unterhält die mauretanische Armee hier bisweilen einen Kontrollposten, an dem aus Sicherheitsgründen die Papiere der Reisenden geprüft werden.

Vor allem aber ist El Ghallaouiya eine der wichtigsten Felskunststätten Mauretaniens. Der umliegende Canyon birgt eine außergewöhnliche Dichte neolithischer Zeugnisse aus der Zeit vor 4.000 bis 8.000 Jahren: Die Felswände tragen eine Vielzahl von Gravuren und Zeichnungen der einstigen Tierwelt, insbesondere zahlreicher Rinder — Zeugnisse jener Epoche, in der die Sahara grün und fruchtbar war, lange vor ihrer Verwüstung. Daneben finden sich vorislamische Gräber, steinerne Pfeilspitzen und prähistorische Werkzeuge.

Die Kulisse ist dem Ort ebenbürtig: Das Fort liegt eingeklemmt zwischen der Weite des Erg Maqteïr — einem Meer aus Dünen bis zum Horizont — auf der einen Seite und den felsigen Steilhängen des Dhar und des Berges Tikika auf der anderen. In Adrar-Routen wird der Besuch üblicherweise mit El Beyyed und seinem prähistorischen Museum, dem Fort von Bir Ziri oder der berühmten Richat-Struktur, dem Auge Afrikas, verbunden. Die Nacht verbringen Reisende meist im Biwak unter dem Zelt, mitten in der Wüste.