Tichitt ist eine alte Karawanenstadt in Mauretanien, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Gelegen in der Region Tagant, rund 850 km östlich von Nouakchott, ist diese jahrtausendealte Stadt ein außergewöhnliches historisches und architektonisches Juwel, auch wenn sie heute unter starker geografischer Abgeschiedenheit leidet.
Neolithische Ursprünge: Die Kultur von Dhar Tichitt reicht mehr als 2000 Jahre v. Chr. zurück. Ursprünglich vom Volk der Proto-Soninke gegründet, beherbergte sie eine der ersten strukturierten agropastoralen und städtischen Gesellschaften Westafrikas.
Goldenes Zeitalter der Karawanen: Die heutige islamische Stadt wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Vom 11. bis zum 19. Jahrhundert wurde sie zu einer bedeutenden Drehscheibe des transsaharischen Handels: Karawanen tauschten hier das Gold, das Elfenbein und das Salz des Sahel gegen Stoffe und Gewürze aus Europa und dem Maghreb.
Geistiges Zentrum: Über ihre Händlerrolle hinaus etablierte sich Tichitt als großes Zentrum islamischer Kultur. Ihre Gelehrten trugen Tausende kostbarer religiöser und wissenschaftlicher Handschriften zusammen.
Vernakuläre Steinarchitektur: Anders als andere Wüstenstädte zeichnet sich Tichitt durch ihre Hofhäuser aus farbigen flachen Steinen (Schiefer) aus, geschmückt mit geometrischen Motiven und typischen Wandnischen.
Die Handschriftenbibliotheken: Die Notabelnfamilien bewahren hier eifersüchtig Tausende alter Manuskripte und jahrhundertealter Dokumente in sorgfältiger Schrift.
Die historische Moschee: Das Stadtgefüge ordnet sich um die alte Moschee mit ihrem charakteristischen quadratischen Minarett.
Die Oase und die Salinen: Der örtliche Palmenhain und die traditionelle Salzgewinnung, deren Ertrag auf Dromedarrücken transportiert wird, zeugen von einer unveränderten saharischen Lebensweise.
Ein schwieriger Zugang: Der Zugang zur Stadt erfordert eine strapaziöse Durchquerung von rund 200 km Sandpisten ab Tidjikja. Diese extreme Abgeschiedenheit begrenzt die Besucherzahl stark.
Die Auswirkung der Sicherheitslage: Einst berühmte Etappe der Rallye Paris-Dakar, erlebte die Stadt nach der Verlegung des Rennens 2009 und aufgrund der früheren regionalen Sicherheitsinstabilität in der Sahara einen Einbruch des Besucheraufkommens.
Abenteuertourismus: Heute erschließt sich Tichitt über spezialisierte Routen des Saharatourismus und 4x4-Expeditionen, die Biwaks in der Wüste mit kulturellen Besichtigungen verbinden.