Beschreibung
600 Kilometer nordöstlich von Nouakchott liegt El Beyed, ein winziges Dorf in einem Felsenkessel, auf dem Bett eines alten Wasserlaufs, an dem sich noch einige Akazien halten und ein wenig Schatten spenden. Rund um die Hütten und die Khaimas — die viereckigen Zelte der Nomaden — ist die Kulisse überwältigend: Tafelberge auf der einen Seite, Dünenfelder, die die Felswände hinaufwandern, auf der anderen. Seit Jahren hat es hier nicht mehr geregnet; die Vegetation klammert sich an die kleinsten Spalten, die Familien sind über rund zehn Kilometer verstreut, und die Brunnen sind häufig brackig. Das einzige feste Gebäude ist die Schule, errichtet von einer NGO.
Vor allem aber ist El Beyed eine der bedeutendsten prähistorischen Fundstätten der Erde. Der Boden ist buchstäblich übersät mit Faustkeilen — dem Universalwerkzeug des Paläolithikums, das hier seit über 600.000 Jahren geschlagen und zum Häuten, Schneiden und Schaben verwendet wurde. Hinzu kommen Beile, Pfeilspitzen, Keramik und zahlreiche Felsgravuren. Trotz der Plünderung durch skrupellose Händler bleibt die Stätte außergewöhnlich.
Empfangen wird man von Yeslem, dem Dorfvorsteher, der lange Jahre an der Seite von Théodore Monod prospektierte und auf dessen Rat hin ein kleines Museum einrichtete — für den Tag, an dem der Tourismus kommt. In der Umgebung finden sich die Überreste eines alten Forts aus der französischen Kolonialzeit, eine Guelta — ein natürliches Becken mit ganzjährigem Wasser, in dieser Gegend eine absolute Seltenheit, von dem ein Lager acht Kilometer flussabwärts vollständig abhängt —, Erosionsrinnen als Zeugen alter Gewitter sowie Dünenzüge, die sich auf den Kammlinien niedergelassen haben.
El Beyed muss man sich verdienen: keinerlei touristische Infrastruktur, tagelang kaum ein Fahrzeug, dafür eine Stille, eine Gastfreundschaft und eine historische Tiefe, wie sie nur wenige Orte der Welt bieten können.